Gedenken an 70 Jahre Häftlingsaufstand im „Gelben Elend“ zum Volkstrauertag

Pressemitteilung 16/2020 vom 12.11.2020

Die vom Bautzen-Komitee organisierte Gedenkveranstaltung zur Würdigung der mutigen Männer, die vor 70 Jahren den Häftlingsaufstand im Bautzener „Gelben Elend“ wagten, muss leider abermals verschoben werden. Das ursprünglich zum Jubiläum im März geplante, zentrale Gedenken sollte am kommenden Sonntag, dem Volkstrauertag, nachgeholt werden. Auch wenn aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus keine Veranstaltung stattfinden kann, können den ganzen Sonntag über Blumen individuell auf dem Karnickelberg in Bautzen abgelegt werden.

Blick auf das Gräberfeld auf dem Karnickelberg mit Gedenkkapelle

Blick auf das Gräberfeld auf dem Karnickelberg mit Gedenkkapelle

Am 31. März 1950 war ein großer Teil der circa 6.000 politisch Gefangenen der Haftanstalt Bautzen in einen in der DDR beispiellosen Hungerstreik getreten. Die verzweifelten Häftlinge, die ohnehin an Unterernährung, Kälte und Krankheiten litten, wollten auf die katastrophalen Haftbedingungen im ehemaligen Speziallager Bautzen aufmerksam machen. Erst einen Monat zuvor hatte die sowjetische Geheimpolizei das Gefängnis an die DDR übergeben. Doch anstelle der erhofften Hafterleichterungen durch die Übernahme von Landsleuten hatten sich die Zustände drastisch verschlechtert.

Der Bautzener Häftlingsaufstand in der noch jungen DDR wurde von der bewaffneten Volkspolizei brutal niedergeschlagen. Der größte Aufstand dieser Art war auch zugleich der öffentlichkeitswirksamste. Die Häftlinge hatten zwei Briefe verfasst, die aus der Anstalt geschmuggelt und an das Ost-Büro der SPD in West-Berlin weitergeleitet werden konnten. Einer der Briefe wurde im Hamburger Echo veröffentlicht, der zweite von Herbert Wehner auf dem SPD-Parteitag in Hamburg verlesen. Die mutigen Männer, die viel riskierten, hatten gemeinsam und solidarisch das Gewissen der Welt aufgerüttelt und die Politik aufgerufen, nicht untätig den Verbrechen des von Moskau eingesetzten Regimes zuzuschauen.

Lutz Rathenow, der Sächsische Landesbeauftragte, gedenkt dem Mut und dem Leid der Bautzener Häftlinge von 1950 mit einem Kranz auf der Gräberstätte Karnickelberg und dankt den Zeitzeugen und Mitgliedern des Bautzen-Komitees für ihr stetes und differenziertes Engagement in der Gesellschaft bis heute. „Gerade in diesen durch eine Pandemie aufgewühlten Zeiten, ist es von besonderer Bedeutung, auch auf die Leben derjenigen zu blicken, die ihr Leben der Freiheit und Demokratie gewidmet haben.“

 

Pressekontakt:
Maximilian Heidrich, M.A.
Bürgerberatung, politische Bildung, Öffentlichkeitsarbeit
Sachbearbeiter beim Landesbeauftragten
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