Angebote für Schüler

Siegfried Hentschel im Gespräch mit Paderborner Schülern in der Gedenkstätte Bautzner Straße

Siegfried Hentschel im Gespräch mit Paderborner Schülern in der Gedenkstätte Bautzner Straße

Projektarbeit

Der Fall in der Tasche – Jugendalltag in der DDR der 1980er Jahre

Beim Schülerprojekt „Der Fall in der Tasche“ erkunden Schüler anhand von Fallbeispielen selbst­ständig den Alltag von Jugendlichen in der DDR in den1980er Jahren. Sie erhalten dazu einen kleinen Koffer mit verschiedenen Materialien: Stasi-Dokumente, allgemeine Informationen, authentische Textquellen, Fotos und Originalgegenstände. Die Koffer umfassen ein Themenspektrum, das einerseits die staatliche Vereinnahmung der Jugendlichen im offiziellen Schulalltag zwischen Pioniergruppe und Wehrkundeübung vorstellt und das andererseits auch Gegenwelten zum staatlichen Erziehungsideal aufzeigt und Verweigerungsstrategien in den Blick nimmt. Insgesamt gibt es fünf Koffer zu folgende Themen:

  • Ideologische Beeinflussung in Schule und Freizeit
  • Militarisierung der Jugend
  • Staatlicher Umgang mit subkulturellen Randgruppen (Punk)
  • Alternative Friedensgruppen
  • Öko-Gruppen in der DDR

Ziel des Projektes ist, die Jugendlichen durch eine Vielzahl von Materialien mit dem Alltag Jugendlicher in der DDR bekannt zu machen. Sie erfahren vom Schulalltag, welche Strategien Jugendliche entwickelten, dem Anpassungsdruck zu entfliehen und welche Möglichkeiten staatliche Stellen nutzten, um nonkonformes Verhalten zu unterbinden. Die Schüler lernen bei dem Projekt unterschiedliche Perspektiven kennen. Sowohl die Sicht der Jugendlichen, die sich der politischen Beeinflussung zu entzogen als auch der  Entscheidungsträger, die die Vorstellungen der Partei auf die Jugendlichen übertrugen. Diese Perspektiven finden sich in den unterschiedlichen Quellen wieder: Zeugnisbeurteilungen, Belobigungen, Einschätzungen der Staatssicherheit, Erlebnisberichte, Flugblätter, Poster). So werden Alltagssituationen eingefangen, die für viele DDR-Bürger repräsentativ waren. Für heutige Schüler wird so nachvollziehbar, dass der repressive Charakter des Staates auch für den Durchschnittsbürger alltäglich war. Zudem wird deutlich, dass für Jugendliche in der DDR ähnliche Themen von Belang waren, wie in der Bundesrepublik: Friedensengagement, Punk und Umweltschutz gab es in beiden deutschen Staaten, nur war die Reaktion von staatlicher Seite grundverschieden. Ein Nebeneffekt der inhaltlichen Analyse der Dokumente ist das quellenkritische Arbeiten mit den Originaldokumenten und das eigenständige Organisieren des Materials für die Präsentation in der Arbeitsgruppe.

Das Schülerprojekt nimmt mindestens drei Unterrichtsstunden in Anspruch und ist als Ergänzung zum Lehrplan in der Klasse 10/11/12 (Oberschule und Gymnasium) angelegt. Ein Mitarbeiter unserer Behörde steht während der gesamten Projektzeit für Fragen und Hinweise zur Verfügung und kommentiert die Präsentationsergebnisse.

Zwischen Wahrheit, Fiktion und Manipulation – ein deutsch-deutscher Zeitungsvergleich

Das Projekt beleuchtet die Rolle der Medien in der Bundesrepublik und der DDR. Schüler analysieren anhand verschiedener Themen die Berichterstattung überregionaler Tageszeitungen (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Neues Deutschland) und regionaler Tageszeitungen (Stuttgarter Zeitung, Sächsische Zeitung). Die Zeitungen liegen als Reprint vor und sind als Klassensatz verfügbar. Themenmappen mit Zusatzinformationen ergänzen die Originalquellen. Das Zeitungsprojekt vermittelt Sachkenntnisse und quellenkritische Fähigkeiten. Die Schüler gewinnen über das Sachthema hinaus einen Einblick in die Informationspolitik zweier unterschiedlicher politischer Systeme. Ziel des Zeitungsvergleichs ist es, mit Hilfe originaler Quellen, die in ihrem Gesamtzusammenhang bleiben, den Schülern Einblick in die Medienwelt in einer Diktatur und Demokratie zu geben. Die Schüler sehen, wie Zeitungen zu Propagandazwecken eingesetzt wurden. Sie erkennen Mechanismen, mit denen bestimmte Meinungsbildungen erzeugt wurden. Der Vergleich der Zeitungen vor dem Hintergrund der tatsächlichen Ereignisse und als medialer Spiegel des jeweiligen Systems gibt Aufschluss über die Medien und über das repräsentierte Gesellschaftsmodell. Das Zeitungsprojekt vermittelt jüngste Zeitgeschichte und vertieft gleichzeitig quellenkritische Fähigkeiten. Das Projekt ist kostenfrei, dauert mindestens zwei Unterrichtsstunden und ist für die gymnasiale Oberstufe geeignet. Ein Mitarbeiter der Behörde führt das Projekt an den Schulen durch.

Zeitungen zu folgenden Themen sind verfügbar:

  • Volksaufstand 17. Juni 1953
  • Mauerbau 13. August 1961
  • Prager Frühling 1968
  • Volkskammerwahl und Bundestagswahl
  • Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986
  • 1. Mai als »Kampftag der Arbeiterklasse« und Feiertag

Vorträge

Der Landesbeauftragte bietet Vorträge zu verschiedenen Themenbereichen an. Neben dem Einführungsvortrag lernen die Schüler eine authentische Quelle kennen, analysieren und diskutieren diese. Die thematische Vielfalt der angebotenen Themen ist umfangreich und sollte im Vorfeld genau mit dem Lehrer abgestimmt werden.

Die Vorträge richten sich an Schüler der Oberschule, an Gymnasiasten und Berufsschüler. Das Angebot ist für den fachübergreifenden Unterricht in den Fächern Ethik und Gemeinschaftskunde sowie Geschichte und Deutsch nutzbar. Die Mindestteilnehmerzahl beträgt 15 Personen. Als Zeitumfang sollte mindestens eine Unterrichtsstunde eingeplant werden. Das Angebot ist kostenfrei. Die Vorträge können in der Schule als auch an einem außerschulischen Lernort stattfinden.

Folgende Themen können gewählt werden:

  • Staatssicherheit
  • Das MfS im politischen System der DDR
  • Struktur und Arbeitsweise des MfS
  • Widerstand in der DDR
  • Der 17. Juni 1953 in Sachsen
  • Kirchliche Basisgruppen in der DDR
  • Sachsen im Herbst 1989
  • Repression
  • Politische Strafverfolgung
  • Verdeckte Verfolgungsmethoden der Staatssicherheit
  • Politisches System und Alltag in der DDR
  • Parteiensystem und Staatsaufbau
  • Ideologisierung und Militarisierung in der Schule

Theaterperformance

Der Schauspieler Stephan Fiedler bei einer Aufführung in einer Leipziger Schule

Theaterperformance im Klassenzimmer

Der Sächsische Landesbeauftragte hat zusammen mit der Theaterperformancegruppe um Thomas Förster, Regina Felber und Katja Heiser ein mobiles Bildungsangebot geschaffen, das mit O-Tönen und originalen Textquellen die DDR auf spielerische Weise ins Klassenzimmer bringt.

„Alles auf Hoffnung – vom Mitmachen und Aufbegehren am Ende der DDR“ erzählt von den letzten Monaten der bröckelnden DDR, einer ungewissen Zeit zwischen Resignation und Aufbruch. Darin integriert finden sich viele Szenen, die den Alltag in der DDR erfahrbar machen. Mitspielelemente, bei denen die Schüler ins Theaterspiel einbezogen und selbst zu Akteuren werden, geben Impulse für die Diskussion mit den Schauspielern, die sich der 45-minütigen Performance anschließt.

Die Performance eignet sich als Einstieg oder Ergänzung zum Lehrplanstoff für alle Schultypen. Eine Doppelstunde sollte für das Projekt eingeplant werden. Alle Terminanfragen laufen direkt über die Theaterpädagogin Katja Heiser. Sie ist telefonisch unter der 0351-8 01 05 61 und per Mail unter Ka.jusch@gmx.de zu erreichen. Die Schauspieler kommen zu Ihnen in die Schule, das Angebot ist für Sie kostenfrei.

Zeitzeugengespräche

Das unmittelbare Zeitzeugengespräch, die  Interaktion eines Betroffenen mit Schülern ist für die Herausbildung von Werteurteilen und Geschichtsbewusstsein von zentraler Bedeutung. Es hinterlässt meist einen tieferen Eindruck als die Erarbeitung eines Themas anhand von Materialien. Der Sächsische Landesbeauftragte bietet grundsätzlich nur begleitete Zeitzeugengespräche an, bei denen ein Mitarbeiter den Zeitzeugen vorstellt, durch das Gespräch führt und die Schüler daran beteiligt.

Für ein Zeitzeugengespräch sollte eine Doppelstunde eingeplant werden. Eine inhaltliche und methodische Vorbereitung ist sinnvoll. Da die Zeitzeugen sehr unterschiedliche Erfahrungen mitbringen, sollte im Vorgespräch über die Erwartungshaltung von Lehrern und Schülern gesprochen werden, um einen passenden Gesprächspartner zu finden.

Filmgespräche

In Ergänzung zum Film „Das Leben der Anderen“, aber auch zu anderen Filmen oder Dokumentationen bietet der Landesbeauftragte Filmgespräche und thematische Einführungen an. Gern können diese auch in Kooperation mit externen Partnern an anderen außerschulischen Lernorten stattfinden.