15/2026 28.10.2026
Am 25. Oktober 2026 ist der Politikwissenschaftler und Theologe Dr. Christian Sachse im Alter von 72 Jahren gestorben. Über Jahrzehnte hat er sich der Aufarbeitung des staatlichen Unrechts in der DDR gewidmet. Sein besonderes Engagement galt den ehemaligen Heimkindern und den Menschen, die in DDR-Haftanstalten Zwangsarbeit leisten mussten. Mit seiner Forschung hat er entscheidend dazu beigetragen, Unrecht sichtbar zu machen und die Anerkennung der Betroffenen voranzubringen.
„Mit Christian Sachse verlieren wir einen langjährigen Wegbegleiter und Freund. Unsere Zusammenarbeit war eng, und sein Tod schmerzt mich sehr. Er gehörte zu den Menschen, die sich mit großer Beharrlichkeit in die Lebensgeschichten der Betroffenen, die Akten und die Strukturen des Unrechts vertieften und nicht lockerließen, wenn es darum ging, Konsequenzen daraus zu ziehen. Gerade bei der Aufarbeitung der repressiven Heimerziehung hat er Spuren hinterlassen, die bleiben werden“, sagt Dr. Nancy Aris, Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war die Aufarbeitung der Jugendhilfe in der DDR. Christian Sachse untersuchte die Bedingungen in Spezialkinderheimen und Jugendwerkhöfen, die Disziplinierung, denen Kinder und Jugendliche ausgesetzt waren. Mit seinen Forschungen machte er auch die Orte des Unrechts sichtbar. Seine Arbeiten sind bis heute wichtig, um ehemalige Einrichtungen zu identifizieren – eine konkrete Hilfe für Betroffene, die ihre Heimbiografie in Rehabilitierungsverfahren belegen müssen.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit war die Zwangsarbeit in DDR-Haftanstalten. Sachse erforschte die wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge der Haftzwangsarbeit. Über viele Jahre setzte er sich dafür ein, dass die Verantwortung der Unternehmen und die Ansprüche der Betroffenen nicht aus dem Blick gerieten. Sein beharrliches Engagement trug auch dazu bei, dass sich IKEA am Bundeshärtefallfonds für SED-Opfer beteiligte. Zuletzt recherchierte er mit Unterstützung der Landesbeauftragten im Sächsischen Staatsarchiv zur Haftzwangsarbeit im ehemaligen Frauengefängnis Hoheneck.
Mit Sachsen und insbesondere mit Torgau war Christian Sachse eng verbunden. Von 1981 bis 1990 war er dort zunächst Vikar, später Pfarrer. In der DDR engagierte er sich in der kirchlichen Opposition und gehörte zu den Mitbegründern des Arbeitskreises Solidarische Kirche. Nach 1990 widmete er sich zunehmend der wissenschaftlichen Aufarbeitung der SED-Diktatur. Er arbeitete für die UOKG und brachte seine Expertise in zahlreiche Forschungs- und Aufarbeitungsprojekte ein. Für das Sächsische Staatsministerium für Soziales wirkte er zuletzt an einer Internetseite zu Heimerfahrungen in Sachsen mit.
Christian Sachse war ein kenntnisreicher Wissenschaftler, ein unbequemer und zugleich unverzichtbarer Gesprächspartner und ein beharrlicher Streiter für die Belange der Betroffenen. Er blieb an Themen dran, auch wenn Fortschritte lange auf sich warten ließen. Dabei ging es ihm nicht allein darum, Unrecht historisch zu beschreiben, sondern auch darum, seine Folgen anzuerkennen und Verbesserungen für die Betroffenen zu erreichen. Sein Wissen, seine Hartnäckigkeit und seine persönliche Verbundenheit mit den Menschen, deren Schicksale er erforschte, werden fehlen.
Die Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur spricht seiner Familie, seinen Freunden und allen, die ihm nahestanden, ihr tief empfundenes Mitgefühl aus.
Pressekontakt:
Dr. Kristina Chmelar
Stellvertretende Landesbeauftragte
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