Einblicke

Die Sächsische Landesbeauftragte auf der 14. Geschichtsmesse in Suhl

Detailansicht öffnen: Dr. Nancy Aris auf der Geschichtsmesse Suhl
Frau Dr. Nancy Aris im Gespräch auf der Geschichtsmesse.
Detailansicht öffnen: Geschichtsmesse Suhl Podiumsdiskussion
Podiumsgespräch mit Prof. Dr. Jörg Ganzenmüller, Christine Lieberknecht, Bodo Ramelow und Dr. Nancy Aris.
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Präsentation unseres digitalen Mitmachprojekts "Hi-STORIES. Geschichte vor Ort"
Detailansicht öffnen: Infostand der Landesbeauftragten
Der Infostand der Landesbeauftragten auf der Geschichtsmesse in Suhl.

Vom 28. bis 30. April 2022 präsentierten wir unsere Arbeit und aktuelle Bildungsprojekte auf der 14. Geschichtsmesse in Suhl. Unter dem Titel "Demokratie unter Druck" stand auf der diesjährigen Geschichtsmesse das Spannungsfeld zwischen Freiheit, Protest und Extremismus in Deutschland und Europa nach 1989/90 im Mittelpunkt.

Im Einführungsvortrag der Geschichtsmesse lud Prof. Dr. Jörg Ganzenmüller von der Stiftung Ettersberg zunächst dazu ein, sich mit der Frage der aktuellen und historischen Definition von Freiheit auseinanderzusetzen. Den Bogen von der Geschichte in die aktuelle und politisch oft heiß diskutierte Gegenwart schlug das Podiumsgespräch "Die Grenzen der Demokratie. Freiheit und Protest im vereinten Deutschland":  Die Sächsische Landesbeauftragte Dr. Nancy Aris kam hier gemeinsam mit der ehemaligen thüringischen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, dem amtierenden Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringens Bodo Ramelow und Prof. Ganzenmüller ins Gespräch. Im Fokus standen mögliche Ursachen für Demokratieskepsis bei einem Teil der Bevölkerung aber auch geschichtsverfälschende Diskurse bei den jüngsten Corona-Protesten. "Hier sehe ich eine große Chance in der politischen Bildung. Diese ist wichtig, um vor allem junge Menschen über historische Zusammenhänge zu informieren und ihnen anschaulich begreifbar zu machen, wie das politisches System in einer Diktatur wie der DDR funktionierte. In der DDR wären der aktuelle Protest und öffentliche Debatten darüber nicht möglich gewesen“, erläuterte Dr. Nancy Aris.

Darüber hinaus setzte sich die Geschichtsmesse mit weißen Flecken der gesellschaftlichen Aufarbeitung auseinander, wie dem politischen Extremismus der 1990er Jahre im Osten Deutschland. Fast 30 Jahre sind die rassistisch motivierten Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen her, die Aufarbeitung dieser Ereignisse fällt aber immer noch schwer, so das Fazit des Podiums.

Digital und interaktiv - so möchte politische Bildung  gerne jüngeren Menschen Wissen vermitteln. Die Geschichtsmesse lud auch hier zur Diskussion ein und stellte Fragen, wie: Interessieren wir mit Tik-Tok jüngere Menschen für historische Themen? Sollte politische Bildung mehr auf moderne Social- Media-Kanäle, Games und virtuelle Apps setzen? Die Podiumsteilnehmer plädierten hier eindeutig für ein "Ja", wobei hier die Grenzen der Ressourcen beachtet werden sollten.

Die Geschichtsmesse schloss mit einem Podiumsgespräch zum Freiheitsbegriff in europäischer Perspektive vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs. Nach den Freiheitsrevolutionen von 1989/90 ist die Freiheit in Osteuropa nun in Gefahr, die Situation für die Ukraine katastrophal. Im Podium diskutierten Prof. Dr. Irina Scherbakowa von der Menschenrechtsorganisation Memorial Moskau, die tschechische Autorin Dr. Radka Denemarková, Markus Meckel, Ratsvorsitzender der Bundesstiftung Aufarbeitung, der deutsch-polnische Historischer Bogdan Musiał sowie Dr. Adamantios Theodor Skordos vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa miteinander. Im Fokus stand, welche Möglichkeiten es gibt, die europäische Freiheit zu schützen und die Ukraine zu unterstützen.

Neben Vorträgen und Workshops bot die Geschichtsmesse Raum für die Vorstellung aktueller Projekte der historisch-politischen Bildung. Die Sächsische Landesbeauftragte präsentierte hier gemeinsam mit Projektleiter Dr. Alexander Müller das digitale Mitmachprojekt "Hi-STORIES. Geschichte vor Ort". Darüber hinaus war unsere Behörde mit einem Infostand vertreten.

Hintergrund:
Die Fachtagung der Bundesstiftung Aufarbeitung findet seit 2008 jährlich im thüringischen Suhl statt und widmet sich immer einem Thema der deutsch-deutschen Geschichte im europäischen Kontext. Jährlich besuchen mehr als 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland die Geschichtsmesse. Die Sächsische Landesbeauftragte nimmt neben schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen, Gedenkstätten, Aufarbeitungsinitiativen und Forschungseinrichtungen regelmäßig an der Tagung teil.