Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Sächsische Landesbeauftragte dankt Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen

Akten BStU

Am 17. Juni 2021 beendet der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen seine Tätigkeit und das Stasi-Unterlagenarchiv wird Teil des Bundesarchivs. Der Zugang zu den Stasi-Akten bleibt nach wie vor erhalten. Die Aktennutzung wird wie bisher durch das Stasi-Unterlagengesetz geregelt, das Teil des Bundesarchivgesetzes wird. Ein Antrag auf Stasi-Akteneinsicht kann an den bisherigen BStU-Standorten und an allen weiteren Standorten des Bundesarchivs, so auch in Freiburg, Koblenz und Bayreuth gestellt werden.

In Sachsen werden Stasi-Akten in den Außenstellen in Dresden, Chemnitz und Leipzig verwaltet. Perspektivisch sollen alle Akten nach Leipzig kommen. Hier ist ein Archivneubau auf dem Matthäikirchhof angedacht. Dresden und Chemnitz sollen als Servicestellen erhalten bleiben.

Dr. Nancy Aris:
„Die Entscheidung des Deutschen Bundestages, die Stasi-Akten in ihrem Gesamtbestand zu erhalten, bedeutet eine dauerhafte Sicherung der Akten. Die Aufarbeitung dieser Hinterlassenschaft ist ein gesamtdeutsches Thema, das im Bundesarchiv besser aufgehoben ist als in einer Sonderbehörde. Dennoch bleiben Fragen. So ist die Zukunft der Forschungsabteilung bislang nicht geklärt. Auch die Frage, wie die Bildungsarbeit an den Standorten ohne Archiv künftig aussehen wird, muss mit tragfähigen Konzepten beantwortet werden. Die Öffnung der Stasi-Akten war ein weltweit einmaliger Akt. Betroffene erlangten Gewissheit, Forscher legten das Innenleben des DDR-Geheimdienstes offen. Die Behörde hat seit ihrem Bestehen millionenfach Auskunft erteilt, sie hat in Rehabilitierungsverfahren weitergeholfen, in Überprüfungsverfahren Transparenz hergestellt. Sie hat Opfern Aufklärung geboten und Täter beim Namen genannt. Der BStU hat wichtige Publikationen vorgelegt, fundierte Bildungsangebote erarbeitet und öffentliche Diskurse eröffnet. Für den gesellschaftlichen Neubeginn nach 1989 setzte die Behörde Standards und leistete für die Aufarbeitung des SED-Unrechts einen unverzichtbaren Beitrag. Hier ist den Behördenmitarbeitern, Roland Jahn und seinen Vorgängern ausdrücklich zu danken. Ich wünsche mir, dass das Bundesarchiv hier nahtlos anschließt und dringliche Vorhaben, wie die Bestandserhaltung und Digitalisierung der Akten mit Hochdruck angehen wird.“

In Berlin findet im Deutschen Historischen Museum heute Abend ein Festakt statt, an dem die Landesbeauftragte teilnehmen wird. Ein Livestream ist ab 19.00 Uhr hier abrufbar: https://youtu.be/NEEoRQdHORQ

Die Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erinnert in Leipzig an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953

Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 war eines der zentralen Ereignisse der Widerstandsgeschichte der DDR. In 700 Orten demonstrierten mehr als eine Million Menschen gegen das SED-Regime, für die Zurücknahme der Normenerhöhung, für freie Wahlen, die Auflösung des MfS, die Freilassung der politischen Häftlinge und schließlich für die Deutsche Einheit. Doch ihre Hoffnungen wurden von sowjetischen Panzern im Keim erstickt.
Am 17. Juni 2021 erinnert die Sächsische Landesbeauftragte von Leipzig aus an die mutigen Menschen, die sich gegen die Diktatur erhoben. Unter dem Motto „Vom Preis der Freiheit“ diskutieren Dr. Nancy Aris, der sächsische Kultusminister Christian Piwarz und der Zeitzeuge und Landesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), Frank Nemetz, mit Schülerinnen und Schülern der Anton-Philipp-Reclam-Schule.

Der Videomitschnitt der Veranstaltung wird auf der Homepage der Schule und auf der Seite des Sächsischen Geschichtscamps zu sehen sein. Mit den Organisatoren des Sächsischen Geschichtscamps kommt Nancy Aris schon am Vormittag des 17. Juni zusammen, um über neue Projekte zu sprechen. Die Landesbeauftragte möchte die Erinnerung an den Volksaufstand auch über den Weg der politischen Bildung lebendig halten.

Dr. Nancy Aris:
„Der 17. Juni 1953 war ein Tag der Selbstermächtigung, an dem die Menschen es wagten, trotz größter Gefahren ihren Freiheitswillen öffentlich zu bekunden. Sie schlossen sich zusammen und wurden so zu einem unübersehbaren Zeichen des Protestes. Junge Menschen heute daran zu erinnern, dass autoritäre Systeme sich auf Dauer nicht halten können und jeder Einzelne etwas bewegen kann, halte ich für die wichtigsten Lehren des 17. Juni. Die DDR war seit jenem Tag in ihren Grundfesten erschüttert und hat sich bis 1989 von diesem Schock nicht erholt. Durch das Gespräch mit der jüngeren Generation und das Zurückholen der Geschichten der Aufständischen ins Heute können wir ihnen ein zukunftsgewandtes Denkmal setzen.“

Ich möchte Sie zudem darauf hinweisen, dass das Bürgerkomitee Leipzig e.V. in Kooperation mit der Vereinigung der Opfer des Stalinismus am 17. Juni zur Gedenkfeier für die Opfer des Volksaufstandes einlädt. Es sprechen Tobias Hollitzer, Leiter der „Runden Ecke“, Christian Piwarz, Sächsischer Kultusminister und Karl F. Fischer, Zeitzeuge 17. Juni 1953 in Leipzig.

Die Gedenkfeier mit Kranzniederlegung findet um 16:30 Uhr in der Straße des 17. Juni 2 statt.
Eine Aufzeichnung der Veranstaltung wird ab 18:00 Uhr unter https://youtu.be/C0YowyFOBD4 gezeigt.

 

Gratulation: Evelyn Zupke – die erste Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur

Evelyn Zupke

Dresden, 10. Juni 2021 – die Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gratuliert Evelyn Zupke, die heute vom Deutschen Bundestag zur Bundesbeauftragten für die Opfer der SED-Diktatur gewählt wurde.


Aufgabe der Opferbeauftragten wird es sein, als Fürsprecherin von ehemals politisch Verfolgten auf Bundesebene zu agieren und sich für ihre Belange in der Politik und Öffentlichkeit stark zu machen. Zugleich hat das Amt beratende Funktion.


Dr. Nancy Aris:
„Ich bin sehr froh, dass endlich eine Entscheidung getroffen wurde und freue mich auf die Zusammenarbeit mit Evelyn Zupke. Eine Fürsprecherin auf Bundesebene war längst überfällig, denn die Landesbeauftragten, die sich intensiv für die Belange der Opfer auf Länderebene einsetzen, gibt es nur in den neuen Bundesländern. Viele der einst politisch Verfolgten leben aber nicht hier.“


Die Landesbeauftragte hofft sehr, dass es durch dieses, beim Deutschen Bundestag angesiedelte Amt, besser gelingen wird, die Opfer der SED-Diktatur in der gesamten Bundesrepublik angemessen zu würdigen. Viele drängende Fragen können so zentral angegangen werden - wie bestehende Defizite in den bundesgesetzlichen Regelungen.


„Ich hoffe darauf, dass mit der Opferbeauftragten die geltenden Reha-Gesetze schneller im Sinne der Betroffenen verbessert werden. Auch hielte ich es für dringlich, dass ein Härtefallfonds auf Bundesebene eingerichtet wird, der allen politisch Verfolgten offensteht und helfen kann, sozialen und materiellen Härten zu begegnen.“

Umfrage zu Erfahrungen in der Haftanstalt Hoheneck

Sehr geehrte Damen und Herren,

dieses Schreiben richtet sich vor allem an Frauen, die zwischen 1950 und 1989 in der Haftanstalt Hoheneck inhaftiert waren.

Ich, die Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, interessiere mich für Ihre Schicksale. Wie Sie vielleicht wissen, entsteht derzeit im ehemaligen Frauenzuchthaus Hoheneck eine Gedenkstätte. Mir ist es wichtig, Sie, die ehemaligen Insassinnen zu befragen, um Ihre Erfahrungen, um die es ja in der Ausstellung vor allem gehen soll, in die Gestaltung des Gedenkortes mit einzubeziehen. Ihre Hinweise sollen dazu dienen, die bisherige Planung einer Prüfung zu unterziehen und wenn nötig, eine Themenerweiterung oder  Themenschärfung vorzunehmen.

Ich möchte deutlich darauf hinweisen, dass die Stadt Stollberg Träger der Gedenkstätte ist und sie die alleinige Verantwortung für deren Aufbau hat. Ich werde die Ergebnisse der Befragung der Stadt zur Verfügung stellen, damit möglichst viele Erfahrungen in die künftige Gedenkstätte mit einfließen. Es ist ein Angebot, das nicht verpflichtend ist. Auch wenn es von der Stadt Stollberg genutzt wird, muss sich nicht jeder Beitrag zwangsläufig in der Ausstellung wiederfinden.

Die Befragung hat auch das Ziel, nach möglichen Dokumenten, Fotos oder Gegenständen zu fragen, die in der Ausstellung gezeigt werden können oder zum langfristigen Erhalt in ein Archiv kommen sollten. Und die Befragung bildet – so Sie Interesse haben – die Grundlage für ein weiterführendes Zeitzeugeninterview, das sich später anschließen kann. Bitte beachten Sie, dass sich der Fragebogen in zwei Teile gliedert: auf Seite 1 + 2 können Sie selbst Themen, die Ihnen wichtig sind, benennen. Auf Seite 3 geht es um eine Gewichtung: welche Themen sollten unbedingt in der Ausstellung vertreten sein? Auf welche könnte man verzichten? Gern können Sie uns, sollte der Platz nicht ausreichen, formlos auf einem Blatt Papier Ihre Erfahrungen und Wünsche mitteilen.

Ich habe im ersten Satz geschrieben, dass sich das Schreiben vor allem an jene Frauen, die zwischen 1950 und 1989 in Hoheneck inhaftiert waren, richtet. Das mag Sie verwundert haben. Warum „vor allem“? Wer sollte noch davon berichten können? Hier habe ich die Angehörigen, die Ehemänner und Kinder im Blick, die meist vergessen werden. Ihre Erfahrungen lassen sich nicht durch diesen Fragebogen abbilden, aber vielleicht wollen auch sie etwas beitragen und ihre Gedanken darlegen. Wenn Sie dies weitertragen würden und dazu ermuntern könnten, wäre ich Ihnen dankbar, denn auch die Perspektive der nahen Verwandten ist uns wichtig.

Gern senden wir Ihnen den Fragebogen und/oder einen frankierten Briefumschlag für Ihre Rückantwort zu. Bitte melden Sie sich dafür unter der 0351-4933700 oder unter lasd@slt.sachsen.de.

Es würde mich sehr freuen, wenn Sie sich die Zeit nehmen könnten und die Kraft aufbringen würden, sich der Vergangenheit zu stellen und den Bogen auszufüllen. Dies hilft uns sehr.

Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung.

Dr. Nancy Aris

Ecken und Kanten - Diskussionen um die Stasi-Gedenkstätten. Das Beispiel Leipzig

Der Aufarbeitungsverein Bürgerkomitee 15. Januar e.V. Berlin lädt am 21. April 2021 um 18 Uhr zu einer digitalen Podiumsdiskussion zur aktuellen Debatte um die „Runde Ecke“ ein. In der Einladung heißt es:

Vor nunmehr zwei Jahren begann in den Medien der Streit um die Ausrichtung der „Runden Ecke“, der Stasi-Gedenkstätte des Bürgerkomitees Leipzig. Es ging um den Führungsstil, Mitgliedschaften, Fördermittel und die Ausrichtung des Ortes und der ihrer Ausstellung. Was als Lokalquerele begann, ist längst in überregionalen Medien eskaliert. Der Konflikt ist aufgeheizt durch die Diskussion um die Zukunft des Leipziger Stasi-Geländes, was durch die Besetzung im Dezember ´89 weltweit bekannt wurde.

Jenseits der Vereinsinterna gibt es genügend allgemeine Fragen, die sich durch diesen Konflikt stellen: zur Machart historischer Ausstellungen, zu Schwierigkeiten im Abstimmungsprozess bei öffentlich geförderten Projekten, zur Stellung und zum Recht von geförderten Vereinen oder auch zu den Folgen des Generationenwechsels bei Machern und Besuchern.

Im morgigen Live- Stream diskutieren Dr. Nancy Aris, designierte Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Prof. Peter Steinbach von der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Dr. Jürgen Reiche, ehemaliger Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig sowie Johannes Beleites, Mitglied im Bürgerkomitee Leipzig. Dr. Christian Booß vom Bürgerkomitee 15. Januar e.V. wird das Gespräch moderieren.

Live-Stream, 21. April 2021 um 18 Uhr – online Stream: https://youtu.be/KZZm2JBiXA4

Sächsischer Landtag wählt Dr. Nancy Aris zur neuen Landesbeauftragten

Dr. Nancy Aris, neue Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Dr. Nancy Aris, neue Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Heute wählte der Sächsische Landtag Dr. Nancy Aris einstimmig zur neuen Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Nancy Aris tritt das Amt am 1. Mai 2021 als Nachfolgerin von Lutz Rathenow an.

 

Die Historikerin und Autorin wurde 1970 in Ost-Berlin geboren. Nach dem Mauerfall studierte sie Russistik, Polonistik und Neueste Geschichte in Berlin, Moskau und Wrocław. Sie promovierte zur Geschichtsschreibung im Stalinismus und arbeitete zur Repressions- und Widerstandsgeschichte. Dabei widmete sie sich ehemaligen Haftorten, vor allem aber den individuellen Erfahrungen politisch Verfolgter. Seit 2003 ist Nancy Aris stellvertretende Landesbeauftragte. In dieser Funktion legte sie diverse Publikationen zur Diktaturgeschichte vor, u. a. „Via Knast in den Westen. Das Kaßberg-Gefängnis und seine Geschichte“ sowie „Das lässt einen nicht mehr los. Opfer politischer Gewalt erinnern sich.“ Daneben erarbeitete sie Ausstellungen und förderte die historisch-politische Jugend- und Erwachsenenbildung zur Geschichte der SBZ und DDR auf vielfältige Weise.

 

Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus und das Bautzen-Komitee hatten sich im Vorfeld für Aris ausgesprochen. Sie betonten vor allem ihr sachkundiges und energisches Engagement für die Betroffenen. Mit der heute getroffenen Wahl findet Aris´ stetes Engagement, Betroffenen konkrete und nachhaltige Hilfe zukommen zu lassen, Kontinuität und zugleich eine neue Wirkungsebene.

 

Das findet auch der scheidende Landesbeauftragte Lutz Rathenow: „Ein wichtiger Generationswechsel findet statt. Nancy Aris hat sich in der bisherigen Arbeit mehr als bewährt. Sie wird durchsetzungsstark vor allem die Betroffenen bei der Inanspruchnahme ihrer Möglichkeiten unterstützen. Die Arbeit der Landesbeauftragten wird deutschlandweit wichtiger, aus meiner Sicht vor allem in Sachsen, wo mit dem perspektivischen Wegfall der Stasi-Archivstandorte Chemnitz und Dresden sonst die Spaltung der Aufarbeitungslandschaft droht.“

 

Nancy Aris äußert sich nach ihrer Wahl wie folgt: „Ich freue mich sehr über das Vertrauen der Abgeordneten. Die Aufarbeitung von SED-Unrecht bleibt aktuell, denn auch drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall gibt es viele Fragen an die Vergangenheit. Gleichsam ist es wichtig, historisches Wissen auf angemessene Weise an nachkommende Generationen zu vermitteln und dabei die Opfer der kommunistischen Diktatur nicht zu vergessen. Sie zu unterstützen und in würdiger Form an ihre Schicksale zu erinnern, darin sehe ich meine Hauptaufgabe im neuen Amt.“

 

Pressekontakt:

Maximilian Heidrich, M.A.

Bürgerberatung, politische Bildung, Öffentlichkeitsarbeit

Sachbearbeiter beim Landesbeauftragten

Tel.: +49 (0)351 493 3703 | Fax: +49 (0)351 451031 3709

Mail to: maximilian.heidrich@slt.sachsen.de | www.lasd.landtag.sachsen.de

Der Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur - Kanditatenwahl und künftige Perspektiven

Abschlusstagung Fonds Heimerziehung LAkD - im Bild Petra Morawe

Abschlusstagung Fonds Heimerziehung LAkD - im Bild Petra Morawe

Der Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erhielt in den letzten Wochen viel Zuspruch für sein Votum für Petra Morawe als künftige Bundesbeauftragte für die Opfer der SED Diktatur. Nicht nur das Bautzen-Komitee, sondern auch andere Vereine und Einzelpersonen zeigten viel Sympathie. Sie bestärkten Lutz Rathenow darin, die Kandidatur der in Sachsen lebenden Petra Morawe zu unterstützen. Diesen Auftrag nimmt er gern wahr, weil er Petra Morawe für sehr geeignet hält: „Sie bringt für das Amt wertvolle Voraussetzungen mit: verfügt sie doch über jahrelange praktische Politik- und Verwaltungserfahrung und zeigt aufgrund ihrer eigenen Biographie echte Empathie den SED-Opfern gegenüber. Außerdem lebt sie seit sieben Jahren in der Oberlausitz und kann so die Berliner Perspektive mit der der ostdeutschen Provinz bestens verbinden“, ergänzt Lutz Rathenow.

In ihrem Werdegang setzte Petra Morawe sich auf ganz unterschiedliche Weise für die Belange der Opfer ein: in Vereinen und Gedenkstätten, im Bundestag und Fachbeiräten und schließlich als Referentin für Rehabilitierung, Entschädigung und Grundsatzfragen bei der Brandenburger Beauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur. Dort trat sie nicht nur jahrelang kenntnisreich für die Anliegen von Opfern der SED-Diktatur ein, sondern wirkte auch aktiv an der Novellierung der Reha-Gesetze mit. Auch war sie maßgeblich
an der Schaffung des Härtefallfonds beteiligt. Diese erstmals in Brandenburg entwickelte niederschwellige Fondslösung für SED-Opfer diente als Vorbild für Sachsen. Dort entwickelten sich die vom Landtag vergebenen Mittel zu einem der wirksamsten Instrumente, SED-Opfern konkret zu helfen. Petra Morawes Eintreten für einen bundesweiten Fonds setzt wichtige Akzente und verleiht dem Amt des Bundesbeauftragten abseits repräsentativer Reden einen ersten konkreten Handlungsansatz. Dieser wirkt einer Spaltung Deutschlands aus der Perspektive der Opfer entgegen, weil er allen gleiche Zugangsvoraussetzungen bietet.

„Als besonders engagiert erlebte ich Petra Morawe im Stiftungsrat der „Stiftung für ehemalige politische Häftlinge“, die von Bonn aus Betroffenen und Angehörigen von Haftopfern hilft. Leider ist die Perspektive der Stiftung nicht hinreichend gesichert. Hier gäbe es sicher Verknüpfungsmöglichkeiten zwischen zwei Bundeseinrichtungen, die niemand besser als Petra Morawe herstellen könnte“, meint Lutz Rathenow.

Stiftung Anerkennung und Hilfe - Anmeldungen noch bis zum 30. Juni 2021 möglich

Bund, Länder und Kirchen haben sich als Errichter der Stiftung Anerkennung und Hilfe darauf verständigt, die Anmeldefrist zum Erhalt von Stiftungsleistungen bis zum 30. Juni 2021 zu verlängern. Die Bearbeitungszeit in den Anlauf- und Beratungsstellen wird zugleich bis zum 31. Dezember 2022 verlängert. Konkret bedeutet das, dass Menschen, die als Minderjährige zwischen 1949 und 1990 in stationären Psychiatrien oder Behinderteneinrichtungen Leid und Unrecht erfuhren und heute noch an den Folgen leiden, sich an die Anlauf und Beratungsstellen der Stiftung wenden können.

 

In Sachsen sind bisher 2600 Menschen registriert. Im Beratungsangebot geht es vor allem darum, im geschützten Rahmen kindliche Erfahrungen zu den stationären Aufenthalten zu äußern und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Stiftung bietet materielle Hilfen, die zur konkreten und lebendigen Verbesserung der aktuellen Lebenssituation genutzt werden sollen. Die Unterstützungsleistungen der Stiftung sind auf Sozialleistungen nicht anrechenbar, steuerfrei und nicht pfändbar.

 

Laut Bettina Monse, Leiterin der Anlauf- und Beratungsstelle der Stiftung im Freistaat Sachsen, sind vor allem auch Betreuerinnen und Betreuer sowie für Andere sorgende Menschen aufgerufen, von Unrecht Betroffene auf die Gesprächs- und Hilfsmöglichkeit aufmerksam zu machen.

 

Zur Kontaktaufnahme genügt eine Mail (stiftungauh@ksv-sachsen.de) oder ein Anruf (0341-1266440). Die Stiftung wird sich umgehend zurück melden und die Angebote gern erläutern.

 

Anlauf- und Beratungsstelle Freistaat Sachsen

Stiftung Anerkennung und Hilfe

Postfach 10 09 62

04009 Leipzig

Telefon: 0341-1266441

E-Mail: bettina.monse@ksv-sachsen.de

Siegfried Müller verstorben

Siegfried Müller im Gespräch mit Schülern in der Oberschule Eibenstock

Siegfried Müller im Gespräch mit Schülern in der Oberschule Eibenstock

Siegfried Müller wurde am 15. Oktober 1929 in Hundshübel geboren. Er gehörte zu dem Jahrgang, der nicht mehr zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Dennoch wurden viele der 1929 Geborenen 1945 unter „Werwolf-Verdacht“ vom sowjetischen Geheimdienst festgenommen. Siegfried Müller durchlebte ab 1. November 1945 grundlos eine Odyssee durch verschiedene sowjetische Gefangenenlager: zuerst im Schlossturm in Schwarzenberg, anschließend in Zwickau, dann im Speziallager Mühlberg. Von dort kam er 1947 mit dem sogenannten Pelzmützentransport nach Sibirien, wo er u. a. in den Kohleschächten Ansherkas hart arbeiten und die Qualen des Lagerlebens erdulden musste. Siegfried Müller überlebte die Torturen und kehrte 1950 wieder in sein Heimatdorf Hundshübel zurück. Aber das Erlebte ließ ihn nicht los. Es prägte sein gesamtes weiteres Leben. Verstärkt wurde der seelische Druck, weil es in der DDR untersagt war, über die Haft zu sprechen.

 

Siegfried Müller blieb ein konsequenter Kritiker des sozialistischen Systems und arbeitete nach dem politischen Umbruch 1989 unermüdlich an der Aufarbeitung des Erlebten. Er schrieb mit seinem Buch Der Wahrheit verpflichtet – Von Schwarzenberg in die Gulags Sibiriens nicht nur sich selbst die Qualen von der Seele, sondern für alle, die Ähnliches ertragen mussten. In den 1990er Jahren besuchte er noch einmal die sibirischen Haftorte. Der dabei gedrehte Film reiht sich hier ein. Ausdauernd und beharrlich setzte er sich für Gerechtigkeit ein. Bis zuletzt, bis zum Oktober 2020, sprach er als Zeitzeuge über seine Erlebnisse, gegen das Vergessen und für Verständigung.

Siegfried Müller lebte seit seiner Rückkehr aus Sibirien in Hundshübel. Er arbeitete als Friseur, bei der Wismut und schließlich bis weit über das Rentenalter als selbständiger Handwerker.

 

Am 7. Dezember 2020 verstarb er im Alter von 91 Jahren in seinem Haus in Hundshübel bei seiner ihn bis zuletzt umsorgenden Familie.

„Hell scheint die Sonne“ – Zeitzeugenaufruf zu Pionierlagern

Zentrales Pionierlager Grete Walter in Sebnitz

Zentrales Pionierlager "Grete Walter" in Sebnitz

Für eine Publikation über die ehemaligen Zentralen Pionierlager in den sächsischen Bezirken sucht der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Zeitzeugenberichte, Fotos und Dokumente von Personen, die als Teilnehmende, Anwohner, Nachbarn oder politisch Verantwortliche Interessantes zu berichten wissen.

Relevant kann alles das sein, was das individuelle Erleben des Lageralltags widerspiegelt. Die Berichte und Fundstücke sollen dazu dienen, die archivalische Überlieferung zu diesem Geschichtskapitel zu ergänzen.

Podiumsdiskussion online am 30. November 2020: „Bekenntnis wider das Gewissen? Jugendweihe, Firmung und Konfirmation“

Logo des Kathedralforums Dresden

Logo des Kathedralforums Dresden

Angesichts der nach wie vor angespannten pandemischen Situation weicht die Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen am 30. November 2020 mit ihrer Veranstaltung „Bekenntnis wider das Gewissen? Jugendweihe, Firmung und Konfirmation“ ins Digitale aus. Interessenten haben die Möglichkeit, sich auf der Seite der Akademie anzumelden. Sie erhalten dann die notwendigen Zugangsdaten. Beginn ist 19.30 Uhr.

 

Die Veranstaltung behandelt das Spannungsfeld, welches sich ab den 1950er Jahren durch Jugendweihe, Firmung und Konfirmation für Familien ergeben hat. Gerade Christen brachte es in Konflikt zwischen dem eigenen Glauben und dem allumfassenden Erziehungsanspruch des Staates. Darüber diskutiert Moderator Daniel Heinz mit dem Theologen Albrecht Döhnert, dem Leiter der Katholischen Akademie, Thomas Arnold, sowie dem Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Lutz Rathenow, der auch in die Veranstaltung einführt.

 

Volkstrauertag – Gedenken an 70 Jahre Häftlingsaufstand in Bautzen

Blick auf das Gräberfeld auf dem Karnickelberg mit Gedenkkapelle

Blick auf das Gräberfeld auf dem Karnickelberg mit Gedenkkapelle

Am 15. November 2020 ist Volkstrauertag. In Bautzen wird an diesem Tag zudem an den Häftlingsaufstand im „Gelben Elend“ vor 70 Jahren gedacht. Aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus wird es allerdings, wie bereits im März, keine offizielle Gedenkveranstaltung geben. Allerdings können den ganzen Sonntag über individuell Blumen auf dem Karnickelberg abgelegt werden.

 

Der Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gedenkt mit einem Kranz dem Mut, dem Einsatz und dem Leid der Bautzener Häftlinge von 1950: „Gerade in diesen durch eine Pandemie aufgewühlten Zeiten, ist es von besonderer Bedeutung, auch auf die Leben derjenigen zu blicken, die ihr Leben der Freiheit und Demokratie gewidmet haben“, so Lutz Rathenow.

Am 13. März 1950 protestieren tausende Gefangene gegen die katastrophalen Haftbedingungen im Gefängnis in Bautzen, dem berüchtigten „Gelben Elend“. Am 31. März 1950 kommt es dann zum ersten und größten Häftlingsaufstand der DDR. Volkspolizisten schlagen ihn nach kurzer Zeit brutal nieder.

9. November 1989 - Der Tag, an dem die Mauer fiel

Günter Schabowski verkündet die Reisefreiheit für DDR-Bürger. Sein damals verwendeter Zettel mit handschriftlichen Notizen ist mittlerweile ein wichtiges Objekt deutscher Zeitgeschichte.

Günter Schabowski verkündet die Reisefreiheit für DDR-Bürger. Sein damals verwendeter Zettel mit handschriftlichen Notizen ist mittlerweile ein wichtiges Objekt deutscher Zeitgeschichte.

Der anhaltende Ausreisestrom und die steigende Zahl landesweiter Proteste bringen die DDR-Führung im Herbst 1989 immer stärker unter Druck. Diese versucht nach dem Rücktritt Erich Honeckers mit Reformen und Zugeständnissen ihre Macht zu sichern. Ab Anfang Oktober überschlagen sich allerdings die Ereignisse. Demonstrationen lassen sich fortan nicht mehr gewaltsam verhindern oder auflösen.

 

Zum Fall der Mauer trägt aber auch eine geschichtsträchtige Pressekonferenz in den Abendstunden des 9. November 1989 bei. SED-Politbüromitglied Günter Schabowski stellt das geänderte Reisegesetz der DDR vor – und verkündet unbeabsichtigt, weitreichende Reiseerleichterungen. Eine Ausreise ist „ohne Vorliegen von Voraussetzungen“ und „sofort, unverzüglich“ möglich. Tausende Ostdeutsche strömen daraufhin an die Grenzübergänge in Berlin und fordern die Öffnung der Schlagbäume. Die unvorbereiteten Grenzsoldaten geben schließlich nach. In den späten Abendstunden ist der Weg nach West-Berlin frei – und die Mauer nach 28 Jahren gefallen.

 

Am 9. November 2020 jährt sich der Fall der Mauer zum 31. Mal. Der Landesbeauftragte erinnert an einen der großen Momente der deutschen Demokratiegeschichte. Er gedenkt aber auch den Opfern der deutschen Teilung. Denjenigen, die von den Grenzsoldaten der DDR erschossen wurden oder bei Fluchtversuchen starben. Auch sie trugen mit ihrem Mut zum Zusammenbruch der DDR bei.

 

Der Mauerfall wie auch die deutsche Teilung hinterlassen Spuren, die bis heute sichtbar und spürbar sind. Dem Landesbeauftragten ist es wichtig, darüber übergenerationell im Austausch zu bleiben - so zum Beispiel mit seinen verschiedenen Bildungsangeboten.

"Jugend erinnert" - Förderprogramm der Bundesstiftung Aufarbeitung

Ziel des Programms ist es, junge Menschen durch außerschulische Bildungsprojekte dazu anzuregen, sich mit der SED-Diktatur und ihren Folgen auseinanderzusetzen. Förderanträge können bis zum 15.02.2021 bei der Bundestiftung Aufarbeitung gestellt werden.

Zu weiteren Informationen über das Bundesprogramm "Jugend erinnert"

Befragung ehemaliger DDR-Heimkinder

An der Uni Leipzig werden derzeit Personen gesucht, die zu DDR-Zeiten in Kinderheimen und Jugendwerkhöfen gelebt haben. Die Studie untersucht, was die Teilnehmenden dort erlebt haben und wie sie damit umgingen. Die Befragungszeit läuft bis Juli 2021.

Zu weiteren Informationen über das Projekt

Neu in der Buchreihe des Landesbeauftragten erschienen:

BAND 18: Als der Sozialismus aufs Dorf kam von Nancy Aris/ Wolfram Männel (Hrsg.) · BAND 19: Erwachsenwerden hinter Gittern von Falk Mrázek

Zu den Publikationen

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Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

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