22/2025 01.10.2025
Am 3. Oktober feiert Deutschland 35 Jahre Deutsche Einheit: wir können mit Stolz und Dankbarkeit auf das Erreichte zurückblicken. Vieles, was heute selbstverständlich erscheint, war vor 35 Jahren noch unvorstellbar: freie Wahlen, Meinungsfreiheit, Reisefreiheit, Rechtsstaatlichkeit. Der Tag der Deutschen Einheit ist Anlass, dieses Fundament unserer Demokratie zu würdigen und den Menschen zu danken, die dazu beigetragen haben.
Gleichzeitig erinnert uns dieser Tag daran, dass die Aufarbeitung der SED-Diktatur noch nicht abgeschlossen ist. Neben den bekannten Themen gibt es Unrechtstatbestände, die erst in den letzten Jahren in den Blick geraten sind. Sie zeigen, wie vielfältig die Eingriffe des Staates in das Leben der Menschen waren – und wie wichtig es ist, auch diese weniger bekannten Geschichten sichtbar zu machen. Ein Beispiel sind die Geschlossenen Venerologischen Stationen, wo junge Frauen unter dem Vorwand eine Geschlechtskrankheit zu haben, rechtsstaatswidrig festgehalten wurden. Unter den Folgen der erniedrigenden und gewaltvollen Behandlung leiden die Betroffenen mitunter bis heute. Die Wanderausstellung „Einweisungsgrund: Herumtreiberei – Disziplinierung in Venerologischen Stationen und Spezialheimen der DDR“, die die Landesbeauftragte am 7. Oktober 2025 im Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt mit eröffnen wird, klärt über dieses wenig bekannte Thema auf. Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau und des Vereins Riebeckstraße 63 und beleuchtet die Praxis der Zwangseinweisungen und die systematische Entrechtung von Mädchen und Frauen.
„Gerade am Tag der Deutschen Einheit ist es wichtig, die Freude über das Erreichte mit der Verantwortung für das Erinnern zu verbinden“, erklärt Dr. Nancy Aris, Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. „Die Ausstellung macht ein Stück DDR-Geschichte sichtbar, das bislang kaum bekannt war. Sie gibt den betroffenen Frauen ihre Stimme zurück und lädt uns ein, uns mit den Erfahrungen von Unfreiheit, Gewalt und Ausgrenzung auseinanderzusetzen.“
Dass die Ausstellung an einem historischen Ort gezeigt wird – auch das Krankenhaus Friedrichstadt war einst Standort einer solchen Station – ist ein starkes Zeichen. Es verdeutlicht, dass ehemaliges Unrecht nicht verdrängt und das Leid der Frauen nicht vergessen wird.
Zur feierlichen Eröffnung am 7. Oktober sind Grußworte von Petra Köpping (Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt) und Dr. Nancy Aris sowie ein Vortrag von Prof. Dr. Florian Steger (Universität Ulm) vorgesehen. Zudem wird vom Städtischen Klinikum Dresden eine Erinnerungstafel eingeweiht. Bis 24. Oktober 2025 kann die Ausstellung in der Friedrichstraße 41 in Dresden, im Gartensaal (Haus A) besichtigt werden.
Pressekontakt:
Dr. Teresa Tammer
Stellvertretende Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Tel.: +49 (0)351 493 3706 | Fax: +49 (0)351 451031 3709
E-Mail: teresa.tammer@slt.sachsen.de | www.lasd.landtag.sachsen.de