Morgen, am 3. März 2026, wird Annemarie Krause mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik
Deutschland ausgezeichnet. Der Orden, verliehen durch Bundespräsident Frank-Walter
Steinmeier, wird ihr im Rahmen eines Festaktes vom Sächsischen Ministerpräsidenten Michael
Kretschmer überreicht.
Die Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Dr. Nancy Aris,
beglückwünscht Annemarie Krause zu dieser Auszeichnung und würdigt ihr langjähriges
Engagement für die Aufarbeitung kommunistischer Verbrechen und für die Erinnerung an das Leid
politischer Gefangener. „Ich kenne Annemarie Krause seit Jahrzehnten und bin immer wieder
demütig beeindruckt, mit wie viel Wärme und Menschlichkeit sie für Versöhnung eintritt – obwohl
die kommunistischen Machthaber ihr das Liebste genommen haben: ihre Jugendliebe und
zeitweilig auch ihre Tochter Verena“, so Dr. Nancy Aris. „Sie hat unermessliches Leid erfahren:
fünfeinhalb Jahre Haft, Gewalt, Schwerstarbeit und die Trennung von ihrer Tochter. Und dennoch
hegt sie keinen Groll. Sie schaut nach vorn. Sie ist die Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit in
Person.“
Annemarie Krause wurde am 15. November 1931 in Thum, im Erzgebirge geboren. Wegen ihrer
Beziehung zu einem Soldaten der Roten Armee, mit dem sie ein Kind hatte und mit dem sie eine
Familie jenseits der Armee gründen wollte, wurde sie 1948 verhaftet. Das Sowjetische
Militärtribunal auf dem Chemnitzer Kaßberg verurteilte sie wegen „Beihilfe zur Fahnenflucht“ zu 25
Jahren Haft. Verena, ihre einjährige Tochter, kam zu einer Tante. Annemarie Krause durchlief
verschiedene Haftanstalten. 1950 wurde sie aus dem Speziallager Sachsenhausen in das
Frauenzuchthaus Hoheneck überstellt. Sie war eine jener 1.119 Frauen, mit deren Transport nach
Hoheneck die Geschichte des zentralen Frauengefängnisses der DDR begann. Annemarie
Krause beteiligte sich am Hungerstreik im Oktober 1953 und wurde erst am 20. Januar 1954 im
Zuge einer Amnestie entlassen.
Es ist Annemarie Krause ein großes Anliegen, über das erlittene Unrecht zu sprechen und die
Erinnerung wachzuhalten – auch stellvertretend für die vielen Betroffenen, die nicht mehr berichten
können. Sie setzte sich über Jahrzehnte für die Eröffnung der Gedenkstätte in Hoheneck ein und
engagiert sich bis heute, nimmt an Gedenkveranstaltungen teil und spricht über ihre Erfahrungen
bei Zeitzeugengesprächen in der Gedenkstätte Hoheneck und im Lern- und Gedenkort Kaßberg-
Gefängnis. Mit der Auszeichnung wird ihr persönliches Schicksal ebenso gewürdigt wie ihr
kontinuierlicher Einsatz für Aufarbeitung und Versöhnung.
Pressekontakt:
Dr. Teresa Tammer
Stellvertretende Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
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