25/2025 20.10.2025
Landesbeauftragte Dr. Nancy Aris spricht bei der Einweihung am 28. Oktober 2025 – Aufruf an ehemalige Betroffene, ihre Erfahrungen einzubringen.
Am 28. Oktober 2025 wird um 11:00 Uhr in Freital eine Hinweistafel für den ehemaligen Jugendwerkhof „Junge Welt“ enthüllt. Seit rund zehn Jahren erinnert die Stadt mit verschiedenen Tafeln an die eigene Ortsgeschichte. In Zusammenarbeit mit dem heutigen BGH Edelstahlwerk Freital GmbH entstanden nun zwei weitere: Eine erinnert an das Kriegsgefangenenlager, die andere an den Jugendwerkhof „Junge Welt“. Beide Einrichtungen befanden sich am selben Ort.
Der Jugendwerkhof „Junge Welt“ war eine Einrichtung des repressiven Heimerziehungssystems der DDR, die zwischen 1949 und 1989 bestand. Die 14- bis 18-jährigen männlichen Jugendlichen lebten in Baracken, umgeben von Schlackehalden und radioaktiv belastetem Material. Sie mussten im damaligen VEB „Hüttenwerk Döhlen“ arbeiten – eine körperlich schwere und gefährliche Arbeit, die insbesondere für die Jüngeren, kaum zu bewältigen war. Die Unterbringung dort brachte vielen Jugendlichen Leid und Entbehrung, weil Disziplin, Kontrolle und Unterordnung über ihre individuelle Entwicklung gestellt wurden. Die Jugendlichen kamen dorthin, weil sie als „schwererziehbar“ galten. Oft widersprachen sie nur, äußerten sich frei oder waren einfach anders.
Die Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur begrüßt diese zivilgesellschaftliche Initiative ausdrücklich. Dass sich ein Unternehmen seiner Standortgeschichte stellt und an begangenes Unrecht erinnert – obwohl es selbst unmittelbar keine Verantwortung dafür trägt – sei, so Aris, „ein bemerkenswertes Zeichen historischer und gesellschaftlicher Verantwortung“.
Die Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Dr. Nancy Aris, wird bei der Einweihung der Gedenktafel sprechen. Ihr ist das Anliegen wichtig, weil „diese Tafel sichtbar macht, was lange übersehen wurde. Die Tafel erinnert an junge Menschen, die Opfer einer unmenschlichen Umerziehungspolitik wurden und gelitten haben. Und sie mahnt uns, dass aus staatlicher Fürsorge nie Drill werden darf. Die Erinnerung hilft uns, Unrecht zu erkennen – und es nicht zu wiederholen.“
Da die wissenschaftliche Aufarbeitung des Jugendwerkhofs „Junge Welt“ noch am Anfang steht, lädt die Landesbeauftragte insbesondere ehemalige Insassen zur Einweihung ein und dazu, ihre Erfahrungen einzubringen und so zur weiteren Aufklärung beizutragen.
Die Einweihung findet am Dienstag, den 28. Oktober 2025, um 11:00 Uhr an der Hüttenstraße 1 in Freital statt.
Medienvertreterinnen und -vertreter sind herzlich eingeladen.
Pressekontakt:
Dr. Teresa Tammer
Stellvertretende Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Tel.: +49 (0)351 493 3706 | Fax: +49 (0)351 451031 3709
E-Mail: teresa.tammer@slt.sachsen.de | www.lasd.landtag.sachsen.de