3/2026 05.03.2026
Wie es einer lesbischen Frau in der DDR trotz gesellschaftlicher und staatlicher Begrenzungen
gelang, Räume der Selbstbestimmung für sich und andere zu schaffen, zeigt eine neue Pub-
likation in der Reihe der Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur:
„Lesbische Selbstbehauptung in der DDR. Karin Dauenheimer zwischen Kirche, Staat
und gelebter Utopie“ von Karin Dauenheimer und Teresa Tammer.
Erstmals liegt damit eine wissenschaftlich fundierte Monografie über eine lesbische Aktivistin
aus der DDR vor. Das Buch verbindet die Perspektive der Zeitzeugin mit der analytischen
Einordnung der Historikerin. So entsteht ein persönliches und zugleich historisch kontextuali-
siertes Porträt, das individuelle Erfahrungen anschaulich macht und in größere gesellschaftli-
che Zusammenhänge einordnet. Die Publikation erweitert damit die Perspektive auf Opposi-
tion und Selbstorganisation in der DDR um die bislang wenig erforschte Dimension lesbischer
Lebenswelten.
Im Zentrum des Buches steht Karin Dauenheimer, die als Theologin, Feministin, Lesbe und
alleinerziehende Mutter gesellschaftliche Erwartungen infrage stellte. 1983 gründete sie in
Dresden den „Kirchlichen Arbeitskreis Homosexualität“ und schuf damit einen wichtigen orga-
nisatorischen Rahmen für Austausch und Vernetzung queerer Menschen in Dresden und dar-
über hinaus. Sie schrieb für eine feministische Untergrundzeitschrift und organisierte Frauen-
feste, die zentrale Impulse für die Entstehung einer DDR-weiten Lesbenbewegung setzten und
wichtige Treffpunkte waren. Über Jahre hinweg wurde sie deshalb von der Stasi überwacht.
Das Buch enthält zahlreiche Fotografien und Dokumente, die Einblick in Alltag, Organisations-
formen sowie die Auseinandersetzungen um Sichtbarkeit und Selbstbestimmung geben. Ein
Geleitwort der Beauftragten der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlecht-
licher Vielfalt, Sophie Koch, unterstreicht die Aktualität der Auseinandersetzung mit der Ver-
gangenheit.
Im Rahmen von „Leipzig liest“ stellen Karin Dauenheimer und Teresa Tammer die Publikation
am 20. März 2026 um 18:30 Uhr gemeinsam mit Sophie Koch im Zeitgeschichtlichen Forum
Leipzig vor. Der Eintritt ist frei.
Pressekontakt:
Dr. Teresa Tammer
Stellvertretende Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Tel.: +49 (0)351 493 3706 | Fax: +49 (0)351 451031 3709
E-Mail: teresa.tammer@slt.sachsen.de | www.lasd.landtag.sachsen.de