Sächsischer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

„Hell scheint die Sonne“ – Zeitzeugenaufruf zu Pionierlagern

Zentrales Pionierlager Grete Walter in Sebnitz

Zentrales Pionierlager "Grete Walter" in Sebnitz

Für eine Publikation über die ehemaligen Zentralen Pionierlager in den sächsischen Bezirken sucht der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Zeitzeugenberichte, Fotos und Dokumente von Personen, die als Teilnehmende, Anwohner, Nachbarn oder politisch Verantwortliche Interessantes zu berichten wissen.

Relevant kann alles das sein, was das individuelle Erleben des Lageralltags widerspiegelt. Die Berichte und Fundstücke sollen dazu dienen, die archivalische Überlieferung zu diesem Geschichtskapitel zu ergänzen.

Volkstrauertag – Gedenken an 70 Jahre Häftlingsaufstand in Bautzen

Blick auf das Gräberfeld auf dem Karnickelberg mit Gedenkkapelle

Blick auf das Gräberfeld auf dem Karnickelberg mit Gedenkkapelle

Am 15. November 2020 ist Volkstrauertag. In Bautzen wird an diesem Tag zudem an den Häftlingsaufstand im „Gelben Elend“ vor 70 Jahren gedacht. Aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus wird es allerdings, wie bereits im März, keine offizielle Gedenkveranstaltung geben. Allerdings können den ganzen Sonntag über individuell Blumen auf dem Karnickelberg abgelegt werden.

 

Der Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gedenkt mit einem Kranz dem Mut, dem Einsatz und dem Leid der Bautzener Häftlinge von 1950: „Gerade in diesen durch eine Pandemie aufgewühlten Zeiten, ist es von besonderer Bedeutung, auch auf die Leben derjenigen zu blicken, die ihr Leben der Freiheit und Demokratie gewidmet haben“, so Lutz Rathenow.

Am 13. März 1950 protestieren tausende Gefangene gegen die katastrophalen Haftbedingungen im Gefängnis in Bautzen, dem berüchtigten „Gelben Elend“. Am 31. März 1950 kommt es dann zum ersten und größten Häftlingsaufstand der DDR. Volkspolizisten schlagen ihn nach kurzer Zeit brutal nieder.

9. November 1989 - Der Tag, an dem die Mauer fiel

Günter Schabowski verkündet die Reisefreiheit für DDR-Bürger. Sein damals verwendeter Zettel mit handschriftlichen Notizen ist mittlerweile ein wichtiges Objekt deutscher Zeitgeschichte.

Günter Schabowski verkündet die Reisefreiheit für DDR-Bürger. Sein damals verwendeter Zettel mit handschriftlichen Notizen ist mittlerweile ein wichtiges Objekt deutscher Zeitgeschichte.

Der anhaltende Ausreisestrom und die steigende Zahl landesweiter Proteste bringen die DDR-Führung im Herbst 1989 immer stärker unter Druck. Diese versucht nach dem Rücktritt Erich Honeckers mit Reformen und Zugeständnissen ihre Macht zu sichern. Ab Anfang Oktober überschlagen sich allerdings die Ereignisse. Demonstrationen lassen sich fortan nicht mehr gewaltsam verhindern oder auflösen.

 

Zum Fall der Mauer trägt aber auch eine geschichtsträchtige Pressekonferenz in den Abendstunden des 9. November 1989 bei. SED-Politbüromitglied Günter Schabowski stellt das geänderte Reisegesetz der DDR vor – und verkündet unbeabsichtigt, weitreichende Reiseerleichterungen. Eine Ausreise ist „ohne Vorliegen von Voraussetzungen“ und „sofort, unverzüglich“ möglich. Tausende Ostdeutsche strömen daraufhin an die Grenzübergänge in Berlin und fordern die Öffnung der Schlagbäume. Die unvorbereiteten Grenzsoldaten geben schließlich nach. In den späten Abendstunden ist der Weg nach West-Berlin frei – und die Mauer nach 28 Jahren gefallen.

 

Am 9. November 2020 jährt sich der Fall der Mauer zum 31. Mal. Der Landesbeauftragte erinnert an einen der großen Momente der deutschen Demokratiegeschichte. Er gedenkt aber auch den Opfern der deutschen Teilung. Denjenigen, die von den Grenzsoldaten der DDR erschossen wurden oder bei Fluchtversuchen starben. Auch sie trugen mit ihrem Mut zum Zusammenbruch der DDR bei.

 

Der Mauerfall wie auch die deutsche Teilung hinterlassen Spuren, die bis heute sichtbar und spürbar sind. Dem Landesbeauftragten ist es wichtig, darüber übergenerationell im Austausch zu bleiben - so zum Beispiel mit seinen verschiedenen Bildungsangeboten.

„Die Stimme des Sommers. Als Deutschland geteilt wurde“ – Lesung mit Utz Rachowski

Utz Rachowski

Utz Rachowski

Zusammen mit der Stadtbibliothek Lunzenau veranstaltet der Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur am 20. Oktober 2020 in der städtischen Bücherei von Lunzenau eine Lesung mit dem Schriftsteller Utz Rachowski. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Die Stadtbibliothek präsentiert“ und beginnt um 16:30 Uhr.

Utz Rachowski liest unter dem Titel „Die Stimme des Sommers. Als Deutschland geteilt wurde“ aus seinen aktuellen Büchern „Beide Sommer“ und „Die Lichter, die wir selbst entzünden“. In ihnen reflektiert der gebürtige Vogtländer mit eindringlicher Stimme und beeindruckender Klarheit seine Zeit in Haft und hinterfragt die politische Verführbarkeit von Intellektuellen sowie was Verfolgung und Solidarität in Zeiten einer Diktatur bedeuten. Rachowski war wegen dem Verfassen und dem Verbreiten politisch nicht genehmer Gedichte und Texte wiederholt in Konflikt mit dem SED-Staat geraten. Wegen „staatsfeindlicher Hetze“ verurteilte dieser ihn als Höhepunkt hierfür zu 27 Monaten Gefängnis.

13. August 1961 - Mauerbau in Berlin

Mauerbau am Brandenburger Tor

Mauerbau am Brandenburger Tor, Herbst 1961

Am 13. August 2020 jährt sich zum 59. Mal der Bau der Berliner Mauer, mit der die DDR das letzte Schlupfloch nach West-Berlin schloss. Der Mauerbau markierte den Schlusspunkt der Abriegelung der innerdeutschen Grenze, die bereits 1952 begonnen hatte. Erinnert sei an die Zwangsaussiedlungen von tausenden Menschen aus dem Grenzstreifen.

 

28 Jahre, 2 Monate und 28 Tage lang teilte die Mauer das Land und riss Familien und Freunde auseinander. Allein in Berlin wurden mindestens 140 Menschen bei dem Versuch, die Mauer in Berlin zu überwinden, getötet. Dennoch versuchten über 180.000 Menschen bis 1989 die Flucht. Nur 41.000 von ihnen gelang es. Neben den Mauertoten, gab es die von Selbstschussanlagen verstümmelten Opfer. Tausende kamen in Haft.

 

Der Landesbeauftragte erinnert an die Mauertoten und an die deutsche Teilung. Zugleich würdigt er den Mut derer, die sich durch Flucht oder Ausreiseanträge gegen ein Leben in der DDR entschieden. Auch sie trugen mit ihrer Ablehnung zum Zusammenbruch der DDR bei.

 

Der Mauerbau 1961 ist nicht nur ein bedeutendes Geschichtsereignis. Er hinterließ Spuren bis heute. Um darüber im Austausch zu bleiben, ist es dem Landesbeauftragten wichtig, auf Bildungsangebote hinzuweisen und Impulse für die Bildungsarbeit anzubieten.

 

Härtefallfonds für politisch Verfolgte der SBZ / DDR voll ausgeschöpft

Die dreiköpfige Jury traf sich in den Räumen des Sächsischen Landtags.

Die dreiköpfige Jury traf sich in den Räumen des Sächsischen Landtags.

Auch in diesem Jahr hat der Sächsische Landtag 100.000 Euro im Härtefallfonds für politisch Verfolgte der Sowjetischen Besatzungszone und DDR bereitgestellt. Bis zum 30. Juni 2020 konnten rehabilitierte Opfer einmalig bis zu 5.000 Euro beantragen.

Insgesamt 42 Anträge gingen beim Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ein - 17 mehr als im Vorjahr. Die in ihnen beantragte Summe beläuft sich auf eine Höhe von 199.648,98 Euro

Der vom Präsidium des Sächsischen Landtags neu gewählte Beirat beriet am 24. Juli 2020 über die Anträge. Dem Landtagspräsidenten wurden 21 Anträge für eine Unterstützungsleistung empfohlen. Von den vorhandenen Haushaltsmitteln werden 99.818,89 Euro für die Vergabe eingeplant.

WIR SIND UMGEZOGEN:

Ab dem 01.07.2020 finden Sie uns unter der neuen Besucheranschrift Devrientstraße 1 in 01067 Dresden, verkehrsgünstig gelegen zwischen dem Sächsischen Landtag und der Semperoper.

"Jugend erinnert" - Förderprogramm der Bundesstiftung Aufarbeitung

Ziel des Programms ist es, junge Menschen durch außerschulische Bildungsprojekte dazu anzuregen, sich mit der SED-Diktatur und ihren Folgen auseinanderzusetzen. Förderanträge können bis zum 15.02.2021 bei der Bundestiftung Aufarbeitung gestellt werden.

Zu weiteren Informationen über das Bundesprogramm "Jugend erinnert"

Befragung ehemaliger DDR-Heimkinder

An der Uni Leipzig werden derzeit Personen gesucht, die zu DDR-Zeiten in Kinderheimen und Jugendwerkhöfen gelebt haben. Die Studie untersucht, was die Teilnehmenden dort erlebt haben und wie sie damit umgingen. Die Befragungszeit läuft bis Juli 2021.

Zu weiteren Informationen über das Projekt

Neu in der Buchreihe des Landesbeauftragten erschienen:

BAND 18: Als der Sozialismus aufs Dorf kam von Nancy Aris/ Wolfram Männel (Hrsg.) · BAND 19: Erwachsenwerden hinter Gittern von Falk Mrázek

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