Sächsischer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Der Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur - Kanditatenwahl und künftige Perspektiven

Abschlusstagung Fonds Heimerziehung LAkD - im Bild Petra Morawe

Abschlusstagung Fonds Heimerziehung LAkD - im Bild Petra Morawe

Der Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erhielt in den letzten Wochen viel Zuspruch für sein Votum für Petra Morawe als künftige Bundesbeauftragte für die Opfer der SED Diktatur. Nicht nur das Bautzen-Komitee, sondern auch andere Vereine und Einzelpersonen zeigten viel Sympathie. Sie bestärkten Lutz Rathenow darin, die Kandidatur der in Sachsen lebenden Petra Morawe zu unterstützen. Diesen Auftrag nimmt er gern wahr, weil er Petra Morawe für sehr geeignet hält: „Sie bringt für das Amt wertvolle Voraussetzungen mit: verfügt sie doch über jahrelange praktische Politik- und Verwaltungserfahrung und zeigt aufgrund ihrer eigenen Biographie echte Empathie den SED-Opfern gegenüber. Außerdem lebt sie seit sieben Jahren in der Oberlausitz und kann so die Berliner Perspektive mit der der ostdeutschen Provinz bestens verbinden“, ergänzt Lutz Rathenow.

In ihrem Werdegang setzte Petra Morawe sich auf ganz unterschiedliche Weise für die Belange der Opfer ein: in Vereinen und Gedenkstätten, im Bundestag und Fachbeiräten und schließlich als Referentin für Rehabilitierung, Entschädigung und Grundsatzfragen bei der Brandenburger Beauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur. Dort trat sie nicht nur jahrelang kenntnisreich für die Anliegen von Opfern der SED-Diktatur ein, sondern wirkte auch aktiv an der Novellierung der Reha-Gesetze mit. Auch war sie maßgeblich
an der Schaffung des Härtefallfonds beteiligt. Diese erstmals in Brandenburg entwickelte niederschwellige Fondslösung für SED-Opfer diente als Vorbild für Sachsen. Dort entwickelten sich die vom Landtag vergebenen Mittel zu einem der wirksamsten Instrumente, SED-Opfern konkret zu helfen. Petra Morawes Eintreten für einen bundesweiten Fonds setzt wichtige Akzente und verleiht dem Amt des Bundesbeauftragten abseits repräsentativer Reden einen ersten konkreten Handlungsansatz. Dieser wirkt einer Spaltung Deutschlands aus der Perspektive der Opfer entgegen, weil er allen gleiche Zugangsvoraussetzungen bietet.

„Als besonders engagiert erlebte ich Petra Morawe im Stiftungsrat der „Stiftung für ehemalige politische Häftlinge“, die von Bonn aus Betroffenen und Angehörigen von Haftopfern hilft. Leider ist die Perspektive der Stiftung nicht hinreichend gesichert. Hier gäbe es sicher Verknüpfungsmöglichkeiten zwischen zwei Bundeseinrichtungen, die niemand besser als Petra Morawe herstellen könnte“, meint Lutz Rathenow.

Stiftung Anerkennung und Hilfe - Anmeldungen noch bis zum 30. Juni 2021 möglich

Bund, Länder und Kirchen haben sich als Errichter der Stiftung Anerkennung und Hilfe darauf verständigt, die Anmeldefrist zum Erhalt von Stiftungsleistungen bis zum 30. Juni 2021 zu verlängern. Die Bearbeitungszeit in den Anlauf- und Beratungsstellen wird zugleich bis zum 31. Dezember 2022 verlängert. Konkret bedeutet das, dass Menschen, die als Minderjährige zwischen 1949 und 1990 in stationären Psychiatrien oder Behinderteneinrichtungen Leid und Unrecht erfuhren und heute noch an den Folgen leiden, sich an die Anlauf und Beratungsstellen der Stiftung wenden können.

 

In Sachsen sind bisher 2600 Menschen registriert. Im Beratungsangebot geht es vor allem darum, im geschützten Rahmen kindliche Erfahrungen zu den stationären Aufenthalten zu äußern und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Stiftung bietet materielle Hilfen, die zur konkreten und lebendigen Verbesserung der aktuellen Lebenssituation genutzt werden sollen. Die Unterstützungsleistungen der Stiftung sind auf Sozialleistungen nicht anrechenbar, steuerfrei und nicht pfändbar.

 

Laut Bettina Monse, Leiterin der Anlauf- und Beratungsstelle der Stiftung im Freistaat Sachsen, sind vor allem auch Betreuerinnen und Betreuer sowie für Andere sorgende Menschen aufgerufen, von Unrecht Betroffene auf die Gesprächs- und Hilfsmöglichkeit aufmerksam zu machen.

 

Zur Kontaktaufnahme genügt eine Mail (stiftungauh@ksv-sachsen.de) oder ein Anruf (0341-1266440). Die Stiftung wird sich umgehend zurück melden und die Angebote gern erläutern.

 

Anlauf- und Beratungsstelle Freistaat Sachsen

Stiftung Anerkennung und Hilfe

Postfach 10 09 62

04009 Leipzig

Telefon: 0341-1266441

E-Mail: bettina.monse@ksv-sachsen.de

Siegfried Müller verstorben

Siegfried Müller im Gespräch mit Schülern in der Oberschule Eibenstock

Siegfried Müller im Gespräch mit Schülern in der Oberschule Eibenstock

Siegfried Müller wurde am 15. Oktober 1929 in Hundshübel geboren. Er gehörte zu dem Jahrgang, der nicht mehr zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Dennoch wurden viele der 1929 Geborenen 1945 unter „Werwolf-Verdacht“ vom sowjetischen Geheimdienst festgenommen. Siegfried Müller durchlebte ab 1. November 1945 grundlos eine Odyssee durch verschiedene sowjetische Gefangenenlager: zuerst im Schlossturm in Schwarzenberg, anschließend in Zwickau, dann im Speziallager Mühlberg. Von dort kam er 1947 mit dem sogenannten Pelzmützentransport nach Sibirien, wo er u. a. in den Kohleschächten Ansherkas hart arbeiten und die Qualen des Lagerlebens erdulden musste. Siegfried Müller überlebte die Torturen und kehrte 1950 wieder in sein Heimatdorf Hundshübel zurück. Aber das Erlebte ließ ihn nicht los. Es prägte sein gesamtes weiteres Leben. Verstärkt wurde der seelische Druck, weil es in der DDR untersagt war, über die Haft zu sprechen.

 

Siegfried Müller blieb ein konsequenter Kritiker des sozialistischen Systems und arbeitete nach dem politischen Umbruch 1989 unermüdlich an der Aufarbeitung des Erlebten. Er schrieb mit seinem Buch Der Wahrheit verpflichtet – Von Schwarzenberg in die Gulags Sibiriens nicht nur sich selbst die Qualen von der Seele, sondern für alle, die Ähnliches ertragen mussten. In den 1990er Jahren besuchte er noch einmal die sibirischen Haftorte. Der dabei gedrehte Film reiht sich hier ein. Ausdauernd und beharrlich setzte er sich für Gerechtigkeit ein. Bis zuletzt, bis zum Oktober 2020, sprach er als Zeitzeuge über seine Erlebnisse, gegen das Vergessen und für Verständigung.

Siegfried Müller lebte seit seiner Rückkehr aus Sibirien in Hundshübel. Er arbeitete als Friseur, bei der Wismut und schließlich bis weit über das Rentenalter als selbständiger Handwerker.

 

Am 7. Dezember 2020 verstarb er im Alter von 91 Jahren in seinem Haus in Hundshübel bei seiner ihn bis zuletzt umsorgenden Familie.

„Hell scheint die Sonne“ – Zeitzeugenaufruf zu Pionierlagern

Zentrales Pionierlager Grete Walter in Sebnitz

Zentrales Pionierlager "Grete Walter" in Sebnitz

Für eine Publikation über die ehemaligen Zentralen Pionierlager in den sächsischen Bezirken sucht der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Zeitzeugenberichte, Fotos und Dokumente von Personen, die als Teilnehmende, Anwohner, Nachbarn oder politisch Verantwortliche Interessantes zu berichten wissen.

Relevant kann alles das sein, was das individuelle Erleben des Lageralltags widerspiegelt. Die Berichte und Fundstücke sollen dazu dienen, die archivalische Überlieferung zu diesem Geschichtskapitel zu ergänzen.

Podiumsdiskussion online am 30. November 2020: „Bekenntnis wider das Gewissen? Jugendweihe, Firmung und Konfirmation“

Logo des Kathedralforums Dresden

Logo des Kathedralforums Dresden

Angesichts der nach wie vor angespannten pandemischen Situation weicht die Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen am 30. November 2020 mit ihrer Veranstaltung „Bekenntnis wider das Gewissen? Jugendweihe, Firmung und Konfirmation“ ins Digitale aus. Interessenten haben die Möglichkeit, sich auf der Seite der Akademie anzumelden. Sie erhalten dann die notwendigen Zugangsdaten. Beginn ist 19.30 Uhr.

 

Die Veranstaltung behandelt das Spannungsfeld, welches sich ab den 1950er Jahren durch Jugendweihe, Firmung und Konfirmation für Familien ergeben hat. Gerade Christen brachte es in Konflikt zwischen dem eigenen Glauben und dem allumfassenden Erziehungsanspruch des Staates. Darüber diskutiert Moderator Daniel Heinz mit dem Theologen Albrecht Döhnert, dem Leiter der Katholischen Akademie, Thomas Arnold, sowie dem Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Lutz Rathenow, der auch in die Veranstaltung einführt.

 

Volkstrauertag – Gedenken an 70 Jahre Häftlingsaufstand in Bautzen

Blick auf das Gräberfeld auf dem Karnickelberg mit Gedenkkapelle

Blick auf das Gräberfeld auf dem Karnickelberg mit Gedenkkapelle

Am 15. November 2020 ist Volkstrauertag. In Bautzen wird an diesem Tag zudem an den Häftlingsaufstand im „Gelben Elend“ vor 70 Jahren gedacht. Aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus wird es allerdings, wie bereits im März, keine offizielle Gedenkveranstaltung geben. Allerdings können den ganzen Sonntag über individuell Blumen auf dem Karnickelberg abgelegt werden.

 

Der Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gedenkt mit einem Kranz dem Mut, dem Einsatz und dem Leid der Bautzener Häftlinge von 1950: „Gerade in diesen durch eine Pandemie aufgewühlten Zeiten, ist es von besonderer Bedeutung, auch auf die Leben derjenigen zu blicken, die ihr Leben der Freiheit und Demokratie gewidmet haben“, so Lutz Rathenow.

Am 13. März 1950 protestieren tausende Gefangene gegen die katastrophalen Haftbedingungen im Gefängnis in Bautzen, dem berüchtigten „Gelben Elend“. Am 31. März 1950 kommt es dann zum ersten und größten Häftlingsaufstand der DDR. Volkspolizisten schlagen ihn nach kurzer Zeit brutal nieder.

9. November 1989 - Der Tag, an dem die Mauer fiel

Günter Schabowski verkündet die Reisefreiheit für DDR-Bürger. Sein damals verwendeter Zettel mit handschriftlichen Notizen ist mittlerweile ein wichtiges Objekt deutscher Zeitgeschichte.

Günter Schabowski verkündet die Reisefreiheit für DDR-Bürger. Sein damals verwendeter Zettel mit handschriftlichen Notizen ist mittlerweile ein wichtiges Objekt deutscher Zeitgeschichte.

Der anhaltende Ausreisestrom und die steigende Zahl landesweiter Proteste bringen die DDR-Führung im Herbst 1989 immer stärker unter Druck. Diese versucht nach dem Rücktritt Erich Honeckers mit Reformen und Zugeständnissen ihre Macht zu sichern. Ab Anfang Oktober überschlagen sich allerdings die Ereignisse. Demonstrationen lassen sich fortan nicht mehr gewaltsam verhindern oder auflösen.

 

Zum Fall der Mauer trägt aber auch eine geschichtsträchtige Pressekonferenz in den Abendstunden des 9. November 1989 bei. SED-Politbüromitglied Günter Schabowski stellt das geänderte Reisegesetz der DDR vor – und verkündet unbeabsichtigt, weitreichende Reiseerleichterungen. Eine Ausreise ist „ohne Vorliegen von Voraussetzungen“ und „sofort, unverzüglich“ möglich. Tausende Ostdeutsche strömen daraufhin an die Grenzübergänge in Berlin und fordern die Öffnung der Schlagbäume. Die unvorbereiteten Grenzsoldaten geben schließlich nach. In den späten Abendstunden ist der Weg nach West-Berlin frei – und die Mauer nach 28 Jahren gefallen.

 

Am 9. November 2020 jährt sich der Fall der Mauer zum 31. Mal. Der Landesbeauftragte erinnert an einen der großen Momente der deutschen Demokratiegeschichte. Er gedenkt aber auch den Opfern der deutschen Teilung. Denjenigen, die von den Grenzsoldaten der DDR erschossen wurden oder bei Fluchtversuchen starben. Auch sie trugen mit ihrem Mut zum Zusammenbruch der DDR bei.

 

Der Mauerfall wie auch die deutsche Teilung hinterlassen Spuren, die bis heute sichtbar und spürbar sind. Dem Landesbeauftragten ist es wichtig, darüber übergenerationell im Austausch zu bleiben - so zum Beispiel mit seinen verschiedenen Bildungsangeboten.

„Die Stimme des Sommers. Als Deutschland geteilt wurde“ – Lesung mit Utz Rachowski

Utz Rachowski

Utz Rachowski

Zusammen mit der Stadtbibliothek Lunzenau veranstaltet der Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur am 20. Oktober 2020 in der städtischen Bücherei von Lunzenau eine Lesung mit dem Schriftsteller Utz Rachowski. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Die Stadtbibliothek präsentiert“ und beginnt um 16:30 Uhr.

Utz Rachowski liest unter dem Titel „Die Stimme des Sommers. Als Deutschland geteilt wurde“ aus seinen aktuellen Büchern „Beide Sommer“ und „Die Lichter, die wir selbst entzünden“. In ihnen reflektiert der gebürtige Vogtländer mit eindringlicher Stimme und beeindruckender Klarheit seine Zeit in Haft und hinterfragt die politische Verführbarkeit von Intellektuellen sowie was Verfolgung und Solidarität in Zeiten einer Diktatur bedeuten. Rachowski war wegen dem Verfassen und dem Verbreiten politisch nicht genehmer Gedichte und Texte wiederholt in Konflikt mit dem SED-Staat geraten. Wegen „staatsfeindlicher Hetze“ verurteilte dieser ihn als Höhepunkt hierfür zu 27 Monaten Gefängnis.

"Jugend erinnert" - Förderprogramm der Bundesstiftung Aufarbeitung

Ziel des Programms ist es, junge Menschen durch außerschulische Bildungsprojekte dazu anzuregen, sich mit der SED-Diktatur und ihren Folgen auseinanderzusetzen. Förderanträge können bis zum 15.02.2021 bei der Bundestiftung Aufarbeitung gestellt werden.

Zu weiteren Informationen über das Bundesprogramm "Jugend erinnert"

Befragung ehemaliger DDR-Heimkinder

An der Uni Leipzig werden derzeit Personen gesucht, die zu DDR-Zeiten in Kinderheimen und Jugendwerkhöfen gelebt haben. Die Studie untersucht, was die Teilnehmenden dort erlebt haben und wie sie damit umgingen. Die Befragungszeit läuft bis Juli 2021.

Zu weiteren Informationen über das Projekt

Neu in der Buchreihe des Landesbeauftragten erschienen:

BAND 18: Als der Sozialismus aufs Dorf kam von Nancy Aris/ Wolfram Männel (Hrsg.) · BAND 19: Erwachsenwerden hinter Gittern von Falk Mrázek

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